Foto: Inst. für Realienkunde / Böttcher

Wachauer Keramik

prunkvolle Tischdekoration aus Krems
Sonderschau 15. April bis 26. Oktober 2015

mit Leihgaben von Peter Hietzgern und Dr. Georg Kastner jun.

 
 

Kunst- und Gebrauchskeramik aus Krems

Während die stolze Wachauerin in ihrer Festtracht mit Goldhaube und edlem Halsschmuck sich offensichtlich zum Erntedankfest vorbereitet, trägt der eher unscheinbar wirkende Hauer noch die frisch gelesenen Trauben in der schweren Rückenbutte aus dem Weingarten. Er ist ganz in Weiß gehalten und hat die Arme vor der Brust über der Arbeitsschürze verschränkt, vermutlich um die drückende Last besser auszutarieren. Sie trägt an der einen Hand einen Korb mit Trauben, ein kleines Schaf schmiegt sich an die goldene Dirndlschürze über dem roten Brokatrock. Beide symbolisieren die Winzerwelt der Wachau und des Kremstals, beide sind begehrte Sammlerstücke der sogenannten „Wachauer Keramik“. Doch nicht die beliebten Dekorationsfiguren haben die Arbeiten der Keramikmanufaktur aus Krems berühmt gemacht, sondern vor allem die strahlenden Überlaufglasuren der Gebrauchskeramik waren ihre Besonderheit. Sie waren der Stolz festlicher Tafeln in den Bürgerhäusern und beliebtes Dekor der Wohnzimmer. Die Entwürfe für die Objekte stammten zum Teil von bekannten Künstlern, den Auftrag dazu gab ihnen die Kremser Hafnermeisterei Mayer.

Internationale Bekanntheit

Heute ist die sogenannte „Wachauer Keramik“ begehrtes Sammlerstück. Und sie ist, egal ob Kunst- oder Gebrauchskeramik, ob ihres speziellen Designs und der leuchtenden Glasur bei Auktionen sowie im Antiquitätenhandel hoch begehrt. Ihre Geschichte geht zurück in das Jahr 1924, als Anton Mayer, Hafnermeister in Krems, die „Wachauer Kunstkeramik“ erstmals in größerer Menge produzierte. Der Betrieb am Hafnerplatz war deutlich älter, der neue Produktionszweig wurde nun namensgebend für den Familienbetrieb. Herr Mayer erklärte seine Keramik selbst als seine Reaktion auf das Aufkommen des Emailgeschirrs für den einfachen Haushalt. Sie wurde von da an exklusiv in Krems geformt, gegossen und verziert. Am 9. März 1950 berichtete die Kremser Zeitung in einem kleinen Artikel, dass Anton Mayer als Inhaber der „Wachauer Keramik“ kurz nach Vollendung seines 60. Lebensjahres sein 30igjähriges Jubiläum als selbständiger Hafnermeister feierte. Er konnte zum Jubiläum seines Betriebes darauf verweisen, dass die Manufaktur am Hafnerplatz bis ins 15. Jahrhundert zurückreichte und nun in der 5. Generation – seit 1812 - den Namen Mayer trug. Die Hafnerei war damals übrigens die einzige im Raum Krems, die noch Tongeschirr und Kachelöfen vor Ort selbst herstellte. Und das mit großem Erfolg, denn laut dieser Pressemeldung wurde seine „Wachauer Keramik“ sogar in „Überseeländer“ exportiert. Leider brachen dann weniger erfolgreiche Zeiten an und mittlerweile ist die Kremser Keramikmanufaktur seit über 40 Jahren geschlossen.

Begehrte Sammlerstücke

Die vielbegehrten Erinnerungsstücke aus der Hafnertradition in Krems werden zum Teil in privaten Sammlungen liebevoll gehütet und gepflegt. Die Sammlungen Peter Hietzgern und Georg Kastner haben für die aktuelle Sonderausstellung ausgewählte Objekte zur Verfügung gestellt. Dabei sind auch erstmals Gerätschaften und Arbeitsmittel aus der ehemaligen Manufaktur am Hafnerplatz zu sehen.

Dr. Franz Schönfellner
Kulturamt Krems
April 2015