Ausgehend von der Lebensgeschichte ihrer Urgroßmutter Franziska untersucht die Künstlerin Anne Glassner die Geschichte der Tabakarbeiterinnen von Stein. Die Ausstellung verbindet persönliche Erinnerung mit kollektiver Geschichte, das private Familienarchiv mit einer verschwundenen Arbeitswelt und den Biografien jener Frauen, die über Jahrzehnte in der Tabakfabrik Stein arbeiteten.
Die Tabakfabrik war ein Ort weiblicher Arbeit, aber auch ein Ort von Gemeinschaft, Solidarität und Selbstbehauptung. Glassner fragt, welche Spuren diese Erfahrungen hinterlassen haben: in Körpern, Räumen, Dingen und Erzählungen – und was von ihnen bis heute weitergegeben wird. Persönliche Gegenstände ihrer Urgroßmutter treten in Dialog mit zeitgenössischen Arbeiten der Künstlerin sowie mit historischen Fotografien und Objekten aus dem Umfeld der ehemaligen Tabakfabrik, darunter Leihgaben von JTI (Hainburg).
Auch die noch erhaltene Tabakarbeiterinnenwohnung in der Dr.-Karl-Dorrek-Straße, in der Franziska mit ihrer Familie lebte, wird Teil der Recherche und Ausstellung. Stimmen ehemaliger Tabakarbeiterinnen aus Interviews von Edith Blaschitz begegnen den Erinnerungen von Glassners eigener Familie. In inszenierten Fotografien, Video- und Soundarbeiten sowie räumlichen Installationen überlagern sich diese unterschiedlichen Formen des Erinnerns. Persönliche und historische Archive werden dabei nicht als abgeschlossene Sammlungen verstanden, sondern als lebendige, lückenhafte Gefüge, in denen sich Erfahrungen verändern, weitertragen und auch verloren gehen. Die Ausstellung fragt: Was bleibt von einem Leben, von einer Gemeinschaft, von einer Arbeitswelt, die heute weitgehend verschwunden ist? Und wie lassen sich Archive öffnen, damit weibliche Geschichte(n) nicht nur bewahrt, sondern wieder hör- und sichtbar werden?
Anne Glassner (*1984 in Wien) studierte bildende Kunst an der Universität für angewandte Kunst Wien (Diplom 2016) und Accademia di belle Arti Bologna, Kunstpädagogik an der Akademie der bildenden Künste (Diplom 2008), sowie Kunstgeschichte an der Universität Wien. Glassner lebt und arbeitet in Wien und Niederösterreich. 2023 erhielt sie das VALIE EXPORT Stipendium in Linz, 2021 den Anerkennungspreis für bildende Kunst NÖ, 2018 den MUSA Preis der Stadt Wien. Performances, Videos, Installationen, Fotografien und Zeichnungen zählen zu ihren künstlerischen Medien. Zahlreiche Ausstellungen und Residencies im In- und Ausland.
Anne Glassner – „FRANZISKA“
Eröffnung: Donnerstag, 1. Oktober 2026, 18 Uhr
Ausstellungsdauer: 2. Oktober bis 15. November 2026
Partizipative Performance: Donnerstag, 12. November, 17 Uhr, „Franziska singt – Was bleibt, ist die Erinnerung“ in den Räumen der Universität für Weiterbildung.
ask-Artikel: Beim Diskussionsformat „Im Dialog“ von ask – art & science krems sprach Anne Glassner mit Historikerin Edith Blaschitz über “Die Tabakfabrik als Ort der Emanzipation”. Nachzulesen ab 22. Oktober 2026 auf art-science-krems.at.