katharina-sauermann.at, @katharina.sauermann
Werk
Serie (3 Arbeiten): Die Luftqualität ist schlechter als gestern zu dieser Zeit. Serie Nr.1 Bild 1/4 + Bild 3/4 + Bild 4/4, 2024.
In Stuttgart gesammelte Staubpartikel wurden wie Pigment aufgetragen auf Papier und mit Haarspray fixiert. Das Papier stammt aus einer aufgelassenen Papierfabrik.
Preis des Rotary Club Krems-Wachau
Für junge Künstler:innen bis 27 Jahre, dotiert mit EUR 2.500 sowie einem kuratierten Einblick in die Museumssammlungen der Stadt Krems.
Zum Werk
Feinstaub ist in Städten ein ständiger Begleiter, der auf Straßen sowie in den privaten Räumen – sogar unseren Lungen – einen Platz findet. Um den oft übersehenen Staub sichtbar zu machen, habe ich ihn in Stuttgart gesammelt und wie Pigment verwendet, um diese abstrakten Landschaftsbilder zu machen. Der Titel der Werkserie stammt aus der Warnmeldung meiner iPhone-Wetterapp zur Luftqualität.
Zur Künstlerin
Katharina Sauermann (*2000, Klosterneuburg, Österreich)studiert seit 2022 Bildende Kunst an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart und schloss 2024 einen Bachelor in Psychologie an der Universität Wien ab. Zentrales Thema ihrer Praxis ist die Frage, wie Umwelteinflüsse, soziale Räume und immaterielle Prozesse – etwa Luft, Staub oder Stille – unsere Wahrnehmung und unser Erleben prägen. Ihre Arbeiten entstehen in verschiedenen Medien – von Zeichnung, Skulptur und Installation bis hin zu olfaktorischen und partizipativen Formaten.
Jurybegründung
Die Serie Die Luftqualität ist schlechter als gestern zu dieser Zeit von Katharina Sauermann (*2000, Klosterneuburg) überzeugt durch eine konsequente und eigenständige Auseinandersetzung mit einem allgegenwärtigen Umweltproblem. Die Künstlerin lebt in Stuttgart – einer von Verkehr, Baustellen und hoher Feinstaubbelastung geprägten Stadt. Dort sammelt sie Feinstaub und nutzt ihn als Werkstoff ihrer abstrakten Landschaftsbilder, die an aufgewühlte Landstriche, dystopische Geländeformationen und Erosionsprozesse erinnern.
Sorgsam sammelt die Künstlerin den Staub von Fensterläden und Hausfassaden und bringt ihn mit Haarspray oder selbst hergestelltem Fixativ als Pigment auf Papier auf. Der Feinstaub fungiert dabei nicht als bloßes Bildmotiv, sondern als reales Zeugnis jener Umweltbedingungen, die den Ausgangspunkt der Arbeit bilden. In der Verwendung dieses Materials verbindet sich eine präzise konzeptuelle Setzung mit hoher ästhetischer Qualität. Die Jury würdigt insbesondere die Verbindung von gesellschaftlicher Relevanz und einer eigenständigen Materialpraxis, die prozesshafte und konzeptuelle Ansätze in eine zeitgenössische Auseinandersetzung mit den sichtbaren und unsichtbaren Spuren menschlicher Eingriffe in Umwelt und Lebensraum überführt.
Katharina Sauermanns Arbeiten übersetzen ökologische Fragestellungen in eine visuell eindringliche Bildsprache und eröffnen einen neuen Blick auf die materiellen Ablagerungen urbanen Lebens. Gerade aus dem Spannungsverhältnis zwischen ästhetischer Wirkung und realer Umweltbelastung beziehen diese Werke ihre besondere Kraft.
[Für die Jury: Gerda Ridler]