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Werk
weak points#18, 2025, Zeichnung aus der Serie „weak points“
Preis des Landes Niederösterreich
Dotiert mit EUR 4.000 und einem kuratierten Einblick in die Kunstsammlung des Landes Niederösterreich.
Zum Werk
„Derzeit sind Schwachstellen in Häusern und Wohnungen für mich eine Metapher für die Schwachstellen im menschlichen Denken und Handeln – auch in Bezug auf globale, vom Menschen verursachte Phänomene wie die globale Erwärmung. Der Zusammenhang zwischen heruntergekommenen Wohngebäuden und Umweltschäden wurde mir bewusst, als ich einmal eine tropfende Decke und die dadurch verursachten Schäden beobachtete – mit dem Unterschied, dass ein defektes Dach viel leichter repariert werden kann als eine nicht mehr intakte Erdatmosphäre.“
Die räumliche Dynamik von Michailovs interaktiver Arbeit lädt uns dazu ein, unsere eigene Wahrnehmung (Fehlwahrnehmung und Selbstwahrnehmung) zu verändern und uns auf eine existenzielle Suche zu begeben: Wo fange ich an? Wo höre ich auf? Woher komme ich und wohin gehe ich? Existiere ich auch ohne meine Mitmenschen? Wie verantwortlich bin ich gegenüber meiner Umgebung? Diese Fragen werden im Zeitalter der KI immer dringlicher, in dem Mensch und Computer sich dem Ereignishorizont der Singularität nähern.
Zum Künstler
Michail Michailov, geb. in Veliko Tarnovo , Bulgarien, lebt und arbeitet seit 2002 in Wien. Einzelausstellungen: MSPF, San Francisco (2025); Carlone Contemporary in Belvedere Museum, Wien (2024); re.riddle gallery, San Francisco (2024); Kunstraum Lakeside, Klagenfurt (2023); Galerie Viktor Bucher, Wien (2023); +359 Gallery Sofia (2021); Drawing Lab, Paris (2019); u.v.m
Jurybegründung
Das Stilmittel des Trompe-l’œil, der Augentäuschung, reicht bis zu den Malern des antiken Griechenlands zurück. Der athenische Meister Parrhasios malte einen Vorhang so überzeugend, dass sein Rivale Zeuxis versuchte, ihn zur Seite zu ziehen – nur um zu seinem Entsetzen festzustellen, dass er gemalt war. Zeuxis wiederum schuf ein Traubenstillleben von solcher Wirklichkeitsnähe, dass Vögel herbeiflogen, um die Früchte zu picken. Nachdem diese Kunstform im niederländischen Goldenen Zeitalter des 17. Jahrhunderts ihren Höhepunkt erreicht hatte, verlor sie jedoch für nachfolgende Künstler:innen-Generationen zunehmend an Bedeutung.
Mit seiner zwischen 2020 und 2025 entstandenen Zeichnungsserie „Weak Points“, ausgeführt in Farbstift auf Papier, greift Michail Michailov diese Tradition auf – allerdings mit einer ganz anderen Intention. Er lenkt unsere Aufmerksamkeit auf banale, aber letztlich kostspielige bauliche Mängel in seinem unmittelbaren Umfeld – wie im Falle eines Künstlers also in seinem Atelier. Mit großer Präzision dokumentiert er Risse in Wänden, Wasserflecken, die durch eindringende Feuchtigkeit entstehen, oder kleine Stellen, an denen sich der Putz gelöst hat. Der Großteil der Papierfläche bleibt dabei unberührt und ist kaum von den weißen Wänden zu unterscheiden, an denen die fertigen Arbeiten schließlich präsentiert werden.
„Schwachstellen in Häusern und Wohnungen sind für mich“, so Michailov, „eine Metapher für die Schwachstellen des menschlichen Denkens und Handelns – auch im Zusammenhang mit globalen, vom Menschen verursachten Phänomenen wie der Erderwärmung. Die Verbindung zwischen baufälligem Wohnraum und Umweltschäden wurde mir bewusst, als ich einmal eine tropfende Decke und die dadurch verursachten Schäden beobachtete – mit dem Unterschied, dass sich ein defektes Dach weit einfacher reparieren lässt als eine beschädigte Erdatmosphäre.“
[Für die Jury: Jasper Sharp]