Geschichte
Der „Österreichische Graphikwettbewerb“ in Krems
Ein Panorama der österreichischen Kunst der 1970er Jahre
Mit dem „Österreichischen Graphikwettbewerb“, der 1970, 1973 und 1976 in Krems stattfand, hielt auch die zeitgenössische Kunst Einzug in die Stadt. Bereits der erste Wettbewerb sorgte für große Resonanz: Über 200 Künstler:innen reichten rund 800 Arbeiten ein und lösten lebhafte Diskussionen aus. In den Lokalmedien wurde über den „Sinn und Unsinn der Abstraktion“ debattiert, während die Ausstellung der prämierten Werke gleichzeitig ein Publikumsmagnet war. Besonders bemerkenswert war das Interesse junger Besucher:innen – mehr als 1.200 Schüler:innen setzten sich intensiv und teils kritisch mit den gezeigten Arbeiten auseinander.
Der Vorsitzende der Jury, Harry Kühnel, diagnostizierte bei den Einreichungen sowohl eine Scheu vor aktuellen Themen als auch eine Tendenz zur Abstraktion. Die Wettbewerbe spiegelten damit zentrale künstlerische Fragestellungen der 1970er Jahre wider, inhaltlich geprägt von den Themen Technik, Natur und Mensch. Stilistisch und technisch zeigte sich eine große Vielfalt, die sich auch in den sich wandelnden Wettbewerbsbedingungen widerspiegelte: Während 1970 noch Arbeiten in allen grafischen Techniken zugelassen waren, wurden 1973 ausschließlich Druckgrafiken und Aquarelle akzeptiert. 1976 waren schließlich nur noch Originalgrafiken wie Holzschnitt, Radierung, Siebdruck oder Lithografie zugelassen.
Insgesamt wurden 1970 acht Preise mit einer Dotierung von 63.000 Schilling vergeben. Der Jury gehörten unter anderem Maximilian Melcher, Grafikprofessor und Rektor der Akademie der bildenden Künste Wien, sowie Walter Koschatzky, Direktor der Albertina, an. Die prämierten Werke gingen in den Besitz der Stadt Krems über. 1973 beteiligten sich 164 Künstler:innen, das Preisgeld von 60.000 Schilling wurde auf zehn Preise verteilt. 1976 sank die Zahl der Einreichungen auf 100, vergeben wurden sieben Preise mit insgesamt 50.000 Schilling. Die ersten Preise gingen an Peter Pongratz (1970), Erich Steininger (1973) und Linde Waber (1976), die als erste Frau den Hauptpreis gewann. Alle drei hatten – wie viele Teilnehmer:innen – bei Maximilian Melcher studiert.
Die Graphikwettbewerbe bieten heute wertvolle Einblicke in die österreichische Kunstszene der 1970er Jahre und bilden ein wichtiges historisches Fundament für die Gegenwart. An diese Tradition knüpft seit 2024 der „Erich Grabner Preis für künstlerische Grafik der Stadt Krems“ an, der den früheren Wettbewerb zeitgemäß adaptiert fortführt. Zur Neuausschreibung im Frühjahr 2024 gingen 450 Einreichungen aus ganz Österreich ein. 70 von der Jury ausgewählte Positionen wurden von 21. September bis 17. November 2024 in der Ausstellung paper unlimited. im museumkrems präsentiert und boten einen umfassenden Einblick in die Vielfalt zeitgenössischer Grafik in Österreich.
Die vier von der Stadt Krems, dem Land Niederösterreich, dem Rotary Club Krems-Wachau und dem Stift Göttweig ausgelobten Preise wurden im Rahmen der Abschlussveranstaltung am 14. November 2024 in der Dominikanerkirche Krems vergeben. Die Preisträger:innen waren Alexandra Kontriner, Ernst Lima, Leonhard Lorenz Knabl und Oswald Auer. Den Publikumspreis, gestiftet von den Freund:innen von Erich Grabner, erhielt Marianne Lang. Der Erich Grabner Preis wird biennal fortgesetzt, die nächste Ausschreibung startet am 19. Jänner 2026.
Open Call
Einreichmöglichkeit von 19. Jänner bis 09. März 2026
Kontakt
- Körnermarkt 14 3500 Krems an der Donau
- Tel: +43 2732 / 801 570
- E-Mail: kulturamt@krems.gv.at
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