Kommende Ausstellungen

Christina Gschwantner - Colored Emotion

Ein zentrales wiederkehrendes Prinzip in Gschwantners Praxis ist der Kompositionsraster, der als strukturelles Grundgerüst ihrer Werke fungiert. Dieses Raster erlaubt es ihr, Variationen innerhalb eines Themas zu entwickeln und das Verhältnis der einzelnen Bildelemente zueinander zu untersuchen. Innerhalb dieser visuellen Systeme entstehen –was die Künstlerin als Beziehungsfelder beschreibt – Strukturen, in denen jedes Element auf die anderen reagiert, Spannung erzeugt und seine Position im Gesamtgefüge behauptet. Der Raster wird dabei nicht als Einschränkung verstanden, sondern als offenes System, das sowohl Kontrolle als auch Freiheit zulässt.
Die Verwendung von unbehandeltem Leinen verstärkt die Materialität und Direktheit ihrer Arbeiten. Die rohe Oberfläche lässt die Farbe in unmittelbaren Kontakt mit dem Trägermaterial treten und betont die physische Dimension des Malprozesses. Diese Entscheidung verweist auf den Ursprung der Malerei als körperliche, zeitlich gebundene Handlung und verleiht den Arbeiten eine besondere Präsenz und Authentizität.
Eine rein formale Beschreibung ihrer Arbeit greift jedoch zu kurz. Man kann versuchen, ihre Bilder zu analysieren und zu deuten, oder man kann sie einfach erleben. Gschwantners Werke ordnen sich nicht unter – sie treten hervor. Sie verführen, provozieren, oder fordern Widerstand. Ihre Leinwände sind kraftvoll und direkt. Maßstab und Räumlichkeit spielen dabei eine zentrale Rolle: Die malerischen Gesten verdichten sich nicht zu festen Formen, sondern bleiben in Bewegung. Sie stellen die Frage nach der Entstehung eines Bildes selbst – nach dem Prozess, der Idee und der Realisierung. Der Titel COLORED EMOTION bringt die zentrale Fragestellung von Gschwantners künstlerischer Forschung auf den Punkt: Wie lässt sich Emotion in Form übersetzen, ohne sie zu verlieren? Ihre Arbeiten zeigen Emotion nicht als Motiv, sondern als strukturelles Prinzip, das der Form selbst eingeschrieben ist. Gschwantners Malerei ist daher weniger Repräsentation eines Gefühls als dessen Manifestation – Ihre Werke entfalten eine Wirkung, die Raum und Umgebung erfasst, ins Unterbewusste dringt und den Betrachter bewegt.

Christina Gschwantner, geb. 1975 in Wien, studierte Malerei und Grafik an der Universität für angewandte Kunst. Aufenthalte in Griechenland, Mexiko und New York und eine einjährige Residency in Australien. Förderungsstipendien der Sussmann Stiftung und der Universität für angewandte Kunst.  Ihre Werke werden international in Galerien von Amerika bis hin nach Australien und China ausgestellt und befinden auch sich in bedeutenden Sammlungen, darunter die Saatchi Art Collection (London), die Fubon Art Foundation (Taiwan), die Artothek Niederösterreich sowie zahlreiche Privatsammlungen. Sie lebt und arbeitet in Wien und Niederösterreich.

 

 

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